Kennt ihr das, wenn ein Problem auf einmal keines mehr ist und ihr euch fragt, wieso ihr es nicht schon lange anders gemacht habt? Neben großer Erleichterung kann man sich da auch erstmal ganz schön dämlich fühlen!

Klein F. war also keine große Esserin und das Fläschchen sowieso eher eine Zumutung als Genuß. Von Anfang an bekamen wir nur Miniportiönchen in unser Kind. Wir haben wirklich viel versucht: Im dunklen, in aller Ruhe, im Sitzen, im Stehen, tänzelnd, singend, im Maxi Cosi, von Omama füttern lassen, und und und. Nichts schien wirklich zu helfen.

Unsere Rechnung war einfach: Wenn unser Mädchen bei einer Mahlzeit nur x ml trinkt, am Tag idealerweise y ml trinken sollte, dann müssen wir sie sehr oft füttern um diese Menge zu erreichen. Klein F.s kleine bis nicht vorhandene Zunahme sagte uns, dass das was sie bekam nicht genug war, also mussten wir versuchen ihr mehr zu füttern.

Nachdem sie anscheinend niemals hungrig war, fütterten wir sie meistens nach der Uhr. Wir experimentierten anfangs auch noch mit verschiedenen Abständen, aber 2 Stunden schienen am besten zu funktionieren. Am Besten bedeutete in diesem Fall: das Füttern war für uns anstrengend und sie weigerte sich oft, irgendetwas zu Trinken oder trank nur mit viel Trara. Aber immerhin – sie trank und an manchen Tagen schaffte sie sogar die Idealmenge (150ml/kg).

Gefühlt war ich in dieser Zeit den ganzen Tag mit Füttern und Fläschchenwaschen beschäftigt. Anfangs dauerte eine Mahlzeit oft über 30 Minuten, später immer noch etwa 15 Minuten. Auch mit einem kleinen Leichtgewicht alles andere als entspannend. Oft war ich verzweifelt, jede Mahlzeit war für mich Stress – Angst dass sie das Fläschchen wieder ablehnt, Angst dass sie nicht zunimmt, der Wunsch ihr einfach mal eine Mahlzeit entspannt im Sitzen geben zu dürfen. „Ich kann nicht mehr. Ich WILL nicht mehr! Wieso wird das nicht besser?“, dachte ich damals oft.

Eine liebe Twitterbekannte gab mir den Tipp, mit Klein F. zu eine Ernährungsberaterin zu gehen, die sich auch mit der Ernährung kleiner Kinder beschäftigt. „Eine Ernährungsberatung? Für ein Baby?“, waren meine Gedanken. Aber als der Leidensdruck groß genug war und auch drei verschiedene Kinderärzte uns nicht wirklich weiterhelfen konnten, machte ich einen Termin aus.

Die Ernährungsberaterin teilt sich die Praxis mit ihrem Mann, der Kinderarzt ist. Bei unserem Termin lernten wir beide kennen. Das Fazit war: Wir machen uns zu viel Stress und sollen einfach mal lernen unserem Kind zu vertrauen und sie nur füttern, wenn sie WIRKLICH hungrig ist. Leichter gesagt als getan. „Wie lange sollen wir das ausprobieren?“ fragte ich, ängstlich. „2 Wochen“ war die Antwort.

Mit dieser Empfehlung und dieser Beratung war ich nicht glücklich. Bei dem Gespräch musste ich mir alle Mühe geben nicht die Beherrschung zu verlieren. Ich hatte das Gefühl wir wurden nicht ernst genommen, als würde unser Problem heruntergespielt. Immerhin meinten sie F.s Gewichtsentwicklung wäre völlig normal (was einfach nicht stimmt, wenn auch vielleicht nicht ganz so besorgniserregend, wie von uns oft wahrgenommen) und gaben uns den Rat etwas zu tun, was völlig entgegengesetzt dem war, was unsere Erfahrungen mit Klein F. uns gelehrt hatten. Unser Kind kann keinen Hunger – dachten wir.

Wir hatten, wie gesagt, immer wieder mit den Zeitabständen herumprobiert um zu sehen, wie wir zum besten Trinkmengenergebnis kommen könnten. Dabei gab es durchaus auch mal größere Abstände – oft auch zufällig. Zum Beispiel während einer langen Autofahrt oder auch mal Nachts. Es gab immer wieder Nächte, in denen Klein F. durchschlief – die letzte Mahlzeit die wir ihr anboten gab es dann zB abends gegen 20:00 Uhr und die nächste erst eine ganze Weile nach dem Aufwachen (direkt nach dem Aufwachen trank sie NIE), also um 07:00 Uhr oder 08:00 Uhr. Aber sogar nach einer so langen Zeit ohne einen einzigen Schluck verweigerte sie oft beharrlich das Fläschen oder trank ihre Miniportiönchen – wenn es über 100ml am Stück waren veranstalteten wir schon fast Freudentänze!

Das alles hatten wir bei der Ernährungsberatung erzählt und trotzdem riet man uns zu größeren Abständen und mehr Vertrauen in unser Kind. Ich war mehr als skeptisch und trotzdem wollten wir es ausprobieren, was hatten wir zu verlieren? In 2 Wochen würde unser Mädchen nicht verhungern.

Die erste Woche war in etwa so, wie ich es befürchtet hatte. Klein F. trank die altbekannten Miniportiönchen, nur die Abstände waren größer. Alle 4-6 Stunden um die 100ml, also 3-5 mal am Tag. You do the math – das ist für ein Baby mit 6 Monaten nicht besonders üppig. Trotzdem wollte ich weitermachen, denn immerhin – sie trank freiwillig! In der zweiten Woche wurden die Abstände wieder etwas kleiner und die Portionen etwas mehr. Wir konnten einen Trend erkennen! Noch war es nicht genug, aber es wurde mehr und mehr.

Inzwischen, einen Monat später, haben wir hier in etwa 3 Stunden-Abstände in denen Klein F. hungrig wird. Sie trinkt dann meistens 150-200ml, was für sie wirklich wirklich viel ist! Oft greifen wir zu den alten Tricks und tanzen ein bisschen mit ihr in der Wohnung herum, wenn es mal nicht so gut läuft, aber meistens trinkt sie doch sehr ruhig und freiwillig während wir gemütlich am Sofa sitzen.

Die Erleichterung ist riesengroß! Und doch – so ganz entspannen kann ich mich noch nicht, mir stecken ein paar Monate Angst und Stress in den Knochen und ich merke es jedes Mal, wenn ich mich mit Klein F. zum Füttern hinsetze. Ich merke es besonders wenn sie fertig getrunken hat und ich mich wieder entspanne und merke wie mir der Kiefer wehtut, weil ich so fest die Zähne zusammengebissen habe. Oder daran, wie sehr ich dabei meine Schultern verspanne. Aber auch das wird sicher bald besser werden!

Im Moment sind wir wirklich in erst Linie erleichtert und dankbar dafür, dass dieses alles beherrschende Thema jetzt so an Wichtigkeit verloren hat. Da ist wieder Raum zum Atmen. Wir können unser Kind jetzt auf ganz anderen Ebenen anstrengend finden – juhuu :)

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