Der Mann hat flexible Arbeitszeiten. Eigentlich. Er ist freier Dienstnehmer und bei einigen seiner Projekte ist es egal wann und wo er die Arbeit erledigt, solange das Ergebnis stimmt. In der Praxis sieht es zur Zeit leider so aus, dass er drei Tage in der Woche, von Mittwoch 07:30 Uhr bis Freitag 19:30 Uhr, durchgehend nicht zu Hause ist. Sein Arbeitsplatz ist 300km weit von hier entfernt. Er betreut einige Projekte, bei denen er viel Rücksprache mit Kollegen halten muss und ist außerdem für Bereiche zuständig, wo er für Fragen zur Verfügung stehen muss – das alles geht natürlich am Besten vor Ort. Derzeit sind da außerdem ein paar Ferialpraktikanten in seiner Abteilung, die auch ihm „aufgehalst“ wurden und die er betreuen muss.

Nun könnte der Mann natürlich zumindest einen Teil seiner Arbeit von zu Hause aus erledigen, praktisch müssten Klein F. und ich aber in dieser Zeit hier durch die Wohnung schleichen während der Mann arbeitet und er hätte in Summe genauso wenig Zeit für uns.

„Drei Tage sind doch gar nicht so lang!“, wird sich jetzt der eine oder andere Leser vielleicht denken. Stimmt! Aber es sind eben drei ganze Tage, ohne Pause für mich, jede Woche, Tag und Nacht. Außerdem ist es damit nicht getan. Einen halben Tag pro Woche übernimmt der Mann noch den IT-Support für eine Firma hier vor Ort. Mindestens einen weiteren halben Tag pro Woche verbringt der Mann an der Uni bei einer seiner letzten beiden Lehrveranstaltungen und dem Schreiben seiner Diplomarbeit.

Damit wären wir bei 4 Tagen und 2 Nächten ohne Mann. Mindestens. Oft kommen irgendwelche Erledigungen dazu, Freunde/Verwandte mit einem Computerproblem, usw. Dann gibt es noch diverses Freizeitprogramm, das ich ihm von Herzen gönnen möchte. Montagabend geht er zum Sport, am Wochenende bastelt er gerne an seinem Motorrad herum und fährt damit eine Runde und normalerweise trifft er sich auch etwa ein mal pro Woche mit Freunden. Im Grunde klingt das nicht viel und doch lässt das unsere gemeinsame Restfreizeit arg schrumpfen.

Wenn der Mann zu Hause ist, ist er echt toll. Er macht alles: putzen, füttern, wickeln, aufräumen, Kind bespaßen und noch viel mehr! Oft denke ich: Das müsste genügen! Er tut wirklich viel, er hat sich seine Freizeit auch verdient.

Aber das ändert nichts daran, dass ich sehr sehr oft unheimlich frustriert bin, weil ich mich so oft nonstop um Klein F. kümmern muss. Ich brauche keinen großen Urlaub oder viel Freizeit. Ich denke wirklich, dass es schon schön wäre, wenn der Mann einen normalen Job bzw. normale Arbeitszeiten hätte und jeden Tag Abends zu Hause wäre. So viel freie Zeit brauche ich nicht, Abwechslung würde mir genügen.

Heute Abend hätte ich zum Beispiel gerne gearbeitet, das kann ich von zu Hause aus tun. Leider war Klein F. wieder bis 23:00 Uhr putzmunter und jetzt bin ich zu kaputt um noch damit anzufangen.

Vor Klein F.s Geburt hatten wir uns das so schön ausgemalt. Wie toll es wäre, dass der Mann noch Student ist und flexible Arbeitszeiten hat – dann könnte er viel Zeit mit unserem Kind verbringen. In der Realität sieht das leider anders aus…

Wie ist das bei euch so?

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