Wenn Klein F. sich abmüht und streckt und die Arme gaaanz lang macht und irgendwie doch das Gewünschte erreicht, dann ist es fast immer etwas „Verbotenes“ was sie sich gekrallt hat. Verbotene Sachen sind nichts wirklich gefährliches, sondern eher Dinge, die sie nicht kaputtmachen soll, so wie meine Brille oder mein Handy.
Heute hat Klein F. sich wieder die Brille geschnappt. Wir haben gemeinsam am Sofa gespielt und plötzlich hat sie das silberglänzende Ding am Couchtisch erspäht. Todesmutig ist sie bis zum Sofarand vorgekrabbelt und hat erst eine und dann die zweite Hand über den Abgrund gestreckt und sich am Tischrand festgehalten. Dann hat sie sich noch ein Stück weiter nach vorne gewagt, hing wie eine lebendige Hängebrücke über dem Abgrund zwischen Tisch und Sofa und hat es endlich geschafft: Die Brille in ihren Händen und dann auch gleich im Mund.
In solchen Momenten unterstütze ich ihre Abenteuerlust gerne. Ich möchte dass sie ein Erfolgserlebnis hat. Wenn sie es aus eigener Kraft schafft ist das gut, wenn nicht fange ich sie auf. Aber natürlich kann ich ihr dann den hart erkämpften Schatz schwer sofort weder wegnehmen, auch wenn es etwas „Verbotenes“ ist, sie hat ihn sich doch verdient.
Und so weine ich ein bisschen still in mich hinein, wenn sie meine alte Brille komplett verbiegt oder mit ihren Zähnchen noch ein paar Kratzer in mein Handydisplay nagt.

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