Trotz deutlich spürbarer Wehen ging ich spät abends ins Bett und bin sicher zwischen den immer stärkeren und häufigeren Wehen auch mal kurz eingeschlafen. Als ich um etwa 04:00 Uhr nach viel Herumgewälze dann aufgab und aufstand um zumindest dem Mann noch ein paar ruhige Stunden zu gönnen, hatte ich trotzdem das Gefühl überhaupt nicht geschlafen zu haben.

Inzwischen fand ich die Wehen schon schmerzhaft und war mich sicher, dass Klein F. jetzt wirklich schon auf dem Weg war. Zwischen den Wehen packte ich also noch die letzten Dinge (Haarbürste, Hausschuhe, …) in die Kliniktasche.
Am Besten fand ich es, während der Wehen zu stehen und mich an der Kommode abzustützen oder mich im Stehen ein wenig nach hinten zu lehnen und das Becken kreisen zu lassen. Außerdem waren diese Wehen sehr anregend für meine Blase. Kein Wunder also, dass ich gerade am Klo saß, als plötzlich die Fruchtblase platze. Und dann natürlich die Frage: War das jetzt überhaupt die Fruchtblase??? Mit jeder Wehe kam ein kleiner Schwall Fruchtwasser, das war dann doch recht eindeutig.

Der Mann trödelte zum Glück nicht lange herum und ein paar Minuten später, um kurz vor 06:00 Uhr früh, waren wir schon auf dem Weg ins Krankenhaus.
Wie man das von Erzählungen so kennt, wurden die vorher ziemlich regelmäßigen Wehen (~35 Sekunden alle 6 Minuten) im Auto deutlich schwächer und seltener. Ich empfand die Autofahrt zum Glück nicht als sehr unangenehm – unter anderen Umständen wären wir auch erst zu einem späteren Zeitpunkt ins Krankenhaus gefahren und da wäre es dann vielleicht anders gewesen – Glück gehabt!

Im Krankenhaus rief der Mann dem Portier nur irgendwas mit „Blasensprung“ zu und wir liefen ohne Anmeldung direkt zum Kreissaal. Dort wurde uns gleich „unser“ Kreissaal gezeigt und auch mein Bett in einem Zimmer mit zwei frischen Müttern. Nachdem mein Gewand fruchtwassergetränkt war, bekam ich ein schickes Krankenhausnachthemd.

Ich war überrascht, dass ein Blasensprung wohl doch nicht so kritisch ist (von wegen Nabelschnurblabla, nur liegend transportieren, etc.), denn alles lief komplett ruhig ab. Das CTG sah gut aus, nur der Muttermund war noch fest verschloßen – eigentlich sogar noch Gebärmutterhals mit 2cm! Nicht gerade das, was man hören möchte, wenn man schon mehr als eine Nacht wegen Wehen nicht schlafen konnte…

Ich bekam erstmal Frühstück, aber die Wehen waren wieder stärker und raubten mir den Appetit. Wir bekamen den Auftrag nur zwei Dinge zu tun: Ausruhen und spazieren gehen. Das Ausruhen war kein Problem. Im extrabreiten superbequemen Kreissaalbett (ernsthaft: die Kreissaalausstattung erinnerte mich an ein Wellnesshotel!) hatte der Mann auch leicht Platz und schlief sofort ein. Ich schaffte es auch, zwischen den Wehen immer wieder kurz wegzudösen, übermüdet wie ich war.
Das Spazierengehen fand ich furchtbarlangweilig – gehen ohne Ziel mag ich nicht! Der kleine Krankenhausgarten war zwar nett, aber eben klein. Ich konnte während der Wehen noch gut weitergehen und nach der gefühlt 1000. Minirunde wollte ich diese Bäume und Bänke nicht mehr sehen. Immerhin war das Wetter gut – der letzte schöne Tag des Jahres, am nächsten Tag gab es Schneeregen. Gehen im Krankenhaus war fast noch schlimmer, da wurden wir von allen Seiten angeglotzt bzw bei der dritten Runde von den wartenden Patienten wie alte Bekannte angesprochen. Dann doch lieber die Ruhe im Kreissaal.

Eine Weile fand ich es angenehm, mich während der Wehen an einem Seil festzuhalten und mich dabei nach hinten zu lehnen oder mich sitzend nach hinten auf meine Arme zu stützen. Auf die Idee mich währenddessen nach vorne zu beugen, bin ich seltsamerweise nicht gekommen.
Schon am Vormittag fand ich die Wehen so stark, dass ich begann die Atemtechnik zu benutzen, die ich im Geburtsvorbereitungskurs gelernt hatte. Die Hebamme, die ich ab diesem Zeitpunkt nicht mehr mochte, meinte dazu, ich solle doch lieber meine Kraft sparen und ganz normal weiteratmen. Und überhaupt seien das ja noch gar keine echten Wehen, weil nicht muttermundwirksam, bla bla bla. Ja, genau was man in so einem Moment eben hören möchte.

Beim Mittagessen schaffte ich wieder nur ein paar Bissen, der Mann freute sich über den Rest.
Am frühen Nachmittag dann endlich: Muttermund bei 2-3 cm. Keine Ahnung was wir eigentlich den ganzen Tag gemacht haben, außer spazieren gehen und ausruhen. Fast alle Dinge, die wir in die Kliniktasche gepackt hatten, blieben unbenutzt: Bücher, Getränke, Müsliriegel. Nur die CDs liefen ohne Pause – FM4s Sunny Side Up 1-4 :) (Die CDs liegen vermutlich immer noch in diesem Kreissaal).

Gegen 18:00 Uhr dann nach einer erneuten Untersuchung (Muttermund bei 4-5 cm) die Nachricht, dass jetzt langsam mal was weitergehen sollte. Klein F. war noch immer nicht wirklich startbereit, die Untersuchung sah aber danach aus, als wäre es für sie besser doch bald mal herauszukommen. Also wurden wir noch eine Runde in den Garten geschickt. Diesmal war mir aber schon viel mehr danach, mich in einer kleinen Höhle zusammenzurollen als nach Spazierengehen unter freiem Himmel.

Später, ich war wohl schon nicht mehr ganz bei mir, musste der Mann mir wiederholen, was die Ärztin gesagt hatte: Wehentropf oder Kaiserschnitt! Die Entscheidung war für uns klar, also hieß es erstmal ausziehen aus dem gemütlichen Kreissaal und rein in den klassischen, um dort an den Wehentropf gehängt zu werden.
Hui! Das waren mal Wehen! Immer schneller, immer stärker, dann ohne erkennbare Pause und irgendwann war da nur noch Schmerz. Zu diesem Zeitpunkt habe ich keinen Gedanken mehr an Klein F. verschwendet, es ging nur noch um mein Leben. Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals so schreien würde, so die Kontrolle verlieren. Die Erinnerung: „Ruhig atmen!“ der Hebamme, kam kaum bei mir an. Irgendwann dann: „Bitte! Ich kann nicht mehr!“.

Worum ich da eigentlich gebeten habe, wusste ich wohl selbst nicht. Der Mann anscheinend schon, der ganz verzweifelt der Ärztin sagte, sie sollen mir jetzt endlich mal eine PDA legen!
22:00 Uhr. Was für eine Erleichterung, diese PDA. Erst ganz leicht, die Wehen wurden erträglicher, dann wirkte sie schnell stärker. Ich konnte die Wehen noch spüren und aufstehen, aber plötzlich war das alles ein Kinderspiel. Nachdem der Muttermund immer noch nicht vollständig eröffnet war, wurde der Wehentropf nochmal ordentlich aufgedreht.
Langsam konnte ich von den Wehen kaum noch etwas spüren, nur noch ein ein wenig Druck nach unten. Endlich war es Zeit zu pressen! Die Presswehen bemerkte ich kaum und presste fast nur auf Kommando. Die nette Ärztin half von oben mit Druck auf meinen Bauch mit. Der Mann meinte später, das habe brutal ausgesehen, aber ich empfand das gar nicht so.

Dann, um kurz vor Mitternacht, war unser kleines Mädchen endlich da! Bevor ich sie bekam, wurde sie noch kurz untersucht, zum Glück ging es ihr aber gut!
Als ich Klein F. auf die Brust gelegt bekam, war ich erstaunt wie klein und hübsch sie ist. Aber sie war für mich eine kleine Fremde. Ja, ich war überglücklich und gleichzeitig fühlte sich alles so anders an, als ich es mir vorgestellt hatte. Sie trank auch gleich ein paar Schlucke und schlief dann bald ein.
Der Mann und ich konnten nur noch grinsen. Wir teilten uns das lauwarme Piccolöchen aus meiner Kliniktasche und verschickten dann freudige Sms an Freunde und Verwandte.

Klein F. gewickelt und angezogen und wir zogen in unser Zimmer um. Die Betten dort sind so toll, richtig schön breit und mit Babyrausfallschutz auf einer Seite.
Der Mann fuhr nach Hause, komplett durch den Wind. Den hatte das Hormonheuli schon in dieser Nacht erwischt.
Ich kuschelte mich zu Klein F. ins Bett und konnte, trotz totaler Übermüdung, meinen Blick nicht von ihr abwenden und musste ihr ungefähr die halbe Nacht beim Schlafen zusehen. Meine kleine Fremde, mein wunderhübsches kleines Mädchen – es war so unglaublich!

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