Klein F. hat sich vor 3 Wochen in die Gruppe der Kinder eingereiht, die von früh bis spät ihre Mitmenschen in den Wahnsinn Warum?-en. Gut, ich übertreibe. Noch finde ich es meistens ganz amüsant, auch wenn manche ihrer Warum?s sehr zu hysterischem Lachen verleiten. Etwa wenn sie fragt, warum sie selbst etwas gemacht hat, oder mag, oder nicht mag und mir dann auf „Das weiss ich auch nicht.“ erklärt, wieso das denn so ist – als wäre es das selbstverständlichste auf der Welt.
„Mama, wo ist mein Schnuller?“
„Der liegt da oben auf der Kommode.“
„Waru-um?“
„Weil du ihn da hinaufgelegt hast.“
„Waru-um?“
„Ja ich weiss auch nicht, wieso du ihn da hinaufgelegt hast!?“
„Weil ich etwas essen wollte!!!“
Ihr versteht.

Und manchmal gibt es zwischendurch ein Warum-um?, das zum Nachdenken bringt.
Wie zum Beispiel antworte ich dem Kind nach der Fleischweihe auf die Frage „Warum hat der Mann uns angespritzt?“ ohne bei Zauberei zu landen? Und ohne den Begriff „heilig“ zu benutzen, den Klein F. als synonym für „dunkelblau“ benutzt, und sie damit vollends zu verwirren?

Manchmal führt ein Waru-um? auch zu einem der größeren Themen im eigenen Leben und Denken.
Gestern früh starb mir der Motor auf halbem Weg aus der Parklücke ab. Von links und rechts brausten schon andere Autos heran. Ich fluchte und startete das Auto neu, was mit vorglühen etwas dauert. Ich war mal wieder an meiner Unachtsamkeit und den unterschiedlichen Abstellgewohnheiten des Mannes und mir gescheitert. Für gewöhnlich lege ich beim Abstellen den 1. Gang ein, er den 2. Gang – wenn man mit dem 2. Gang unvorsichtig losfährt kann es schon mal passieren, dass der Motor abstirbt.
„Warum hast du dich geärgert Mama?“
„Weil das Auto stehengeblieben ist.“
„Mama, warum ärgerst du dich immer?“

Eine gute Frage. „Mama, warum ärgerst du dich immer?“ Natürlich war mir schon vorher bewusst, dass ich mich oft und auch über scheinbare Kleinigkeiten ärgere. Aber wenn dann Klein F. vom Rücksitz diese Frage stellt, bringt mich das zum Nachdenken.

Ich habe schon oft gehört, dass ich gelassen, ausgeglichen und sicher wirke, vor allem im Umgang mit meiner Tochter. Das entspricht aber ganz und gar nicht meinem Selbstbild. Es wird besser, noch vor ein oder zwei Jahren fühlte ich mich oft unsicher, gestresst und überfordert. Inzwischen sind diese Momente glücklicherweise viel seltener geworden, aber im Grunde sehe ich mich als kritischen, oft überängstlichen und leicht zu verärgernden Menschen. Es ist eine Herausforderung für mich die Welt nicht vorwiegend negativ zu sehen. Ich könnte den ganzen Tag jammern wie blöd ich alles und alle finde und diese Tatsache für mein eigenes Unglück verantwortlich zu machen. Jeden Tag trotzdem das Gute und Schöne zu sehen ist nicht leicht, aber machbar. Nur wenn ich mir immer wieder bewusst mache, dass alleine meine Einstellung den Unterschied macht, kann ich glücklich sein und mein Leben genießen.

So arbeite ich also jeden Tag an mir, versuche mehr zu lachen und auch einfach mal den Mund zu halten statt zu meckern. Jetzt erst recht, ich möchte Klein F. nicht mit meiner negativen Sicht der Dinge beeinflussen! Meine kleine Tochter ist vermutlich der beste Grund überhaupt für alle positiven Veränderungen in meinem Leben.

Also #thinkpink :)

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