Was machst du eigentlich den ganzen Tag? fragt die immer lesenswerte Frau Brüllen, und ich frage mich das tatsächlich auch oft, wenn mir schon wieder ein Tag einfach durch die Finger geflutscht ist. Gestern habe ich endlich mal rechtzeitig daran gedacht und vieles schriftlich festgehalten. Für mich und für euch.

Zu diesem Tag muss erwähnt werden, dass er keinen für uns typischen Tagesablauf darstellt. Dies ist ein Tagesablauf, wie er fast nur am Ende der Ferien vorkommt, wenn unsere Schlaf- und Essenszeiten und Gewohnheiten sich verschoben haben und wir einfach in den Tag hineinleben.

Der Tag beginnt, als der letzte noch gar nicht geendet hat. Ich sitze bis etwa 02:30 am Laptop und arbeite. Das Projekt beschäftigt mich schon seit Tagen und war etwas aufwändiger, als ich es erwartet hatte. Ich habe mich genug damit herumgeärgert und möchte es endlich abschließen. Zum Schluß bin ich zufrieden und lade die fertigen Dokumente hoch. Anschließend mache ich mich im Bad bettfertig.
Als ich mich ins Bett lege, nehme ich trotz der späten Uhrzeit noch meinen Kindle zur Hand und lese unvernünftig lange ein unvernünftig gruseliges Buch. Als ich um etwa 03:50 endlich das Licht ausmache traue ich mich kaum die Augen zu schließen. Ich bin alleine im Bett, denn der Mann schläft im Kinderzimmer bei Klein F., die ständig hustend und schnupfend aufwacht.
Irgendwann, als es noch dunkel ist, bringt der Mann unsere Tochter zu mir ins Schlafzimmer und murmelt irgendwas von: er wolle auch mal 5 Minuten ungestört schlafen. Klein F. kuschelt sich zu mir und wir schlafen, unterbrochen von einigen Naseputzeinsätzen, aneinander gekuschelt noch ein paar Stunde.
08:50 Die Post läutet, zweimal. Mein kleines Mädchen wacht auf und ist sofort hellwach und gut gelaunt.
08:55 Das Kind erzählt mir, was es geträumt hat: „Mama, hast du gehört, wie ich im Schlaf geredet hab? Da hab ich dir die Geschichte erzählt, vom Timmi, das war ganz wunderbar …“
08:56-09:00 Klein F. läuft zwischen KiZi und SchlafZi hin und her und sucht mindestens einen aufstehwilligen Elternteil. Vergeblich.
09:01 Vor „Ich brauche jetzt aber ganz unbedingt schon ein Fläschchen!“ kann ich mich nicht mehr drücken. Wenn das Kind Hunger oder Durst verkündet, springe ich. Unser kleines Mädchen kuschelt sich mit dem Fläschchen zum Mann ins Kinderzimmer, der es dann wieder zu mir schickt
09:05 Ich diskutiere mit dem Kind, ob es schon alleine zum Spielen ins Wohnzimmer gehen kann oder ob ich wirklich schon aufstehen muss.
09:06-09:30 Das Kind entscheidet sich dafür, lieber noch bei mir zu bleiben und mich vollzuquatschen.
09:31 Ich diagnostiziere eine beginnende Augenentzündung und hoffe mich zu täuschen. (Später vermute ich, dass sie sich einfach Rotz aufs Auge geschmiert hat. Alles gut, puh!)
09:32 Als ich die Augenentzündung erwähne, tritt das Kind die Flucht ins Wohnzimmer an. Geht doch! Nur bin ich jetzt ja leider auch schon wach. Mist!
09:34 Ich geselle mich zu Klein F. ins Wohnzimmer
09:35 Ich verabreiche Hustensaft und miste die Medikamentenbestände aus
10:00 Ich befülle die Waschmaschine und schalte sie ein
10:03 Klein F. beschäftigt sich selbst. Ich bewege mich unauffällig mit dem Kindle Richtung Sofa.
10:05 Sie hat mich entdeckt und fleht mich an, mit ihr ein Buch anzusehen
10:05-10:44 Aus einem Buch werden viele. Im Anschluß wird mein (angeblich) verletzter Daumen von der kleinen Frau Doktor verarztet und meisterhaft verbunden.
Verband
10:45 Ich schicke das fröhliche Kind ins Kinderzimmer um den Mann aufzuwecken und bereite das „Frühstück“ vor. Aus dem Kinderzimmer tönt ein „Kikeriki“.
11:15 Unsere Tochter muss noch ein Bild malen, der Mann und ich beginnen zu frühstücken.
11:20 Klein F. ärgert sich.
– „Arme F.“, musst du sagen, Papa!
– Arme F.!
– (entrüstet) Ich bin nicht arm!!!
Foto 2
12:30 Nach langem gemütlichen Essen mit viel Herumblödelei räume ich endlich den Tisch ab. Der Mann verpackt das Kind warm und verschwindet mit ihm nach draußen.
12:45 Ich falte eine Ladung Wäsche, hänge die nächste auf und befülle die Waschmaschine eine zweites Mal.
13:00 Ich trinke Kaffee und lese Nachrichten auf meinem iPhone.
13:15 Duschzeit
13:35 Ich lüfte und räume auf – unglaublich wie viel Unordnung wir machen!
14:00 Endlich fülle ich meine Gewürze in die einheitlichen Gewürzgläser, die ich zu Weihnachten von meinem Bruder bekommen habe.
Foto 3
14:30 Zwei Eiszapfen kommen bei der Tür herein und ich mache Tee.
15:00 Während meine zwei Lieben in der Wohnung Fangen spielen, fahre ich mit dem Auto zur Post um ein Paket abzugeben und dann zum Einkaufen.
16:00 Wieder zurück lese ich mit Klein F. ein Buch, dann malen und basteln wir gemeinsam.
16:45 Der Mann wärmt das übriggebliebene Risotto vom Wochenende auf, macht dazu Salat und wir essen gemeinsam. Dabei wird wieder viel geblödelt und bis das Kind endlich fertig gegessen hat, ist eine Stunde vergangen.
17:45 Der Mann und Klein F. gehen gemeinsam baden, während ich die Küche aufräume, Emails lese und es mir kurz am Sofa mit dem Kindle gemütlich mache.
18:10 Mein Handy klingelt zweimal kurz hintereinander und ich freue mich, dass die Anrufer eine so günstige Zeit zum Telefonieren gefunden haben.
18:30 Mann und Kind haben fertig gebadet, ich kuschele mich mit unserer Tochter aufs Sofa unter die Decke und wir warten aufs Sandmännchen während der Mann uns mit Mandarinen füttert.
19:00 Nach dem Sandmännchen braucht Klein F. natürlich „aber ganz unbedingt noch ein Fläschchen“. Ich rolle innerlich ob dieser Theatralik ein bisschen mit den Augen. Dann wird ihr wieder Hustensaft verabreicht, sie wird zwischen diversen Turnübungen in den Pyjama gezwängt (19:10), darf zwischen Rumpelzahnbürste (elektrisch) und normaler wählen (19:20) und zum Schluß noch ein Buch fürs Bett aussuchen.
19:30 Mein kleines Mädchen und ich sind endlich im großen Bett im Kinderzimmer angekommen und lesen eines ihrer Lieblingsbücher. Dann wird nochmal die Nase geputzt und mit Nasenspray versorgt, damit das arme Schnupfenkind besser schlafen kann.
19:40 „Ich kann einfach nicht einschlafen“ jammert sie. Ich erzähle also eine Geschichte und singe ein paar Lieder, bis mir selbst die Augen zufallen
19:55 Ich bin wieder aufgewacht und das Kind schläft. Ein Wunder! Meistens dauert das Einschlafspiel eine Stunde.
Der Mann freut sich, als ich unerwartet schnell wieder ins Wohnzimmer zurückkomme. Gemeinsam verbringen wir den größten Teil des restlichen Abends lesend, mit einem Ohr immer beim armen Hustenkind.
22:55 Ich gehe ins Bad, wo ich mich wasche und mir die Zähne putze.
23:05 Die letzte Wäscheladung kommt noch auf den Wäscheständer und ich falte eine Ladung trockene Wäsche.
23:25 Ich schaue nach Klein F., die inzwischen ganz ruhig schläft.
23:29 Nochmal schalte ich den Laptop ein, um meine Notizen, die ich den ganzen Tag über gemacht habe, zu einem richtigen Tagebucheintrag zusammenzufassen.
23:59 Ich ärgere mich über WordPress, das den fertigen Eintrag verschwinden lässt und gehe wütend ins Bett. Dort lese ich wieder unvernünftig lange, diesmal bin ich aber zum Glück nicht alleine im Bett und das gruselige Buch macht mir gleich viel weniger aus.

Nachtrag nächster Tag: Ich beschließe, den Eintrag ein zweites Mal zu schreiben und WordPress noch eine Chance zu geben. Ob es diesmal klappt?

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