Das Zusammenleben mit einem Kind ist nicht immer einfach. Das Zusammenleben mit Eltern für das Kind bestimmt auch nicht. In den letzten Jahren habe ich so viel gelernt, gelesen, erfahren und erlebt, was mir hilft unser Zusammenleben einfacher und harmonischer zu machen.

Theoretisch weiss ich, wie ich in den meisten Situationen gut und richtig reagiere. Gut und richtig ist das, was ich mit reinem Gewissen tun und sagen kann. Praktisch bin ich oft zu gestresst oder zu müde oder zu schlecht gelaunt und reagiere dann wie auf Autopilot. Ich sage Dinge die nicht hilfreich sind, werde laut oder manipulativ.

Warum fällt es mir so schwer, immer „richtig“ zu reagieren, obwohl es mir doch so wichtig ist?

Die wichtigesten Voraussetzungen für mich, um gut und richtig mit Klein F. zusammenzuleben sind in erster Linie eine gewisse Denkweise, viel viel viel Gelassenheit und Zeit. Voraussetzungen, die oft nicht gegeben sind. Zeit? Wer hat schon Zeit? Und auch mit der Gelassenheit ist das so ein auf und ab.

Besonders das mit der Denkweise ist nicht so einfach, wie ihr euch vielleicht denken könnt. Immerhin hatte ich, bevor ich Klein F. bekam, 26 lange Jahre Zeit um andere, nicht immer positive Denkweisen zu kultivieren. Es ist also, auf den ersten Blick, einfacher, schneller und bequemer, wenn ich mich einfach nach dem richte, was die Gewohnheit und jahrelange Erfahrung mir an Handlungsoptionen anbieten. Auf lange Sicht ist das natürlich Unsinn, denn wenn ich mich meinem Kind gegenüber nicht gut verhalte, wenn ich schimpfe, ihm sage was es alles nicht tun soll oder darf, tritt mein Kind mir im Gegenzug auch nicht offen und freundlich gegenüber. Das strengt mich noch mehr an, was noch mehr impulsive und dumme Reaktionen mit sich bringt, wenn ich mich nicht bewusst zurücknehme. Ein Teufelskreis, den ihr vielleicht auch kennt.

Immer wieder merke ich, dass ich in solche schlechten Verhaltensmuster hineinrutsche. Immer wieder denke ich Situationen durch und überlege mir, wie es hätte besser laufen können. Immer wieder schaffe ich es, meinen Blick auf meine Tochter zu verändern. Zu sehen, was sie ist und was sie möchte (ein kleines Mädchen, Dinge selbst tun und entscheiden, Unsinn machen, uns auch mal herausfordern) und zu sehen was sie nicht ist und was sie nicht möchte (groß und immer vernünftig, zu viele Vorgaben, uns das Leben schwer machen). Immer wieder gehe ich mit dieser wiederum neu erworbenen Einstellung in den Tag.

Dieses Reflektieren und Ändern der eigenen Sichweise erfordert Arbeit, aber es ist zum Glück auch eine Übungssache. Es wird von mal zu mal leichter.

Und letzten Endes werde ich auch in stressigen Situationen belohnt, wenn ich es schaffe mir die Zeit zu nehmen gedanklich einen Schritt zurück zu machen, mein Kind zu betrachten und zu entscheiden, was hier gerade wirklich passiert. Wenn ich mir die Zeit nehme, eine bewusste Handlungsentscheidung zu treffen, die ich mit meinem Gewissen vereinbaren kann anstatt impulsiv und genervt zu reagieren. Diese Zeit macht sich nicht nur auf lange Sicht bezahlt, weil wir beide zufriedener sind. Genau in diesem stressigen Moment tue ich mir mit einem zufriedenen kooperativen Kind leichter, als mit einem wütenden, weinenden oder unwilligen Kind.

Und so bemühe ich mich immer wieder um einen offenen, positiven Blick auf meine kleine Tochter. Wenn ich mich ärgere, versuche ich innerlich einen Schritt zurückzugehen und zu überprüfen, ob mein erster Eindruck dem entspricht, was tatsächlich passiert. Ich arbeite an meiner Sichtweise ihrer Handlungen und unseres Zusammenlebens. Wenn ich erfolgreich bin, scheint plötzlich alles viel einfacher zu sein. Und sie lebten glücklich und zufrieden…

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